Die emotionalen Landschaften der extremen Rechten
Die extreme Rechte gewinnt heute auch deshalb an Einfluss, weil demokratische Kräfte ihre blinden Flecken nicht überwinden. Den etablierten Parteien fällt es zunehmend schwer, das tief sitzende gesellschaftliche Unbehagen zu erkennen und auf die Anliegen breiter Bevölkerungsschichten einzugehen. In vielen Ländern Amerikas und Europas entstehen so neue emotionale Landschaften.
Alejandro Grimson widerspricht der verbreiteten Annahme, der Aufstieg der extremen Rechten als Massenphänomen sei Ausdruck gesellschaftlicher Irrationalität. Stattdessen zeigt er, dass ihm ein tiefgreifender kultureller Wandel zugrunde liegt, der von technologischen, wirtschaftlichen und arbeitsweltlichen Veränderungen geprägt ist.
Anhand von Wut, Ressentiment, Angst und den widersprüchlichen Bedeutungen von Nostalgie analysiert Grimson, wie die extreme Rechte politische Feindbilder konstruiert und Emotionen gezielt für ihre Zwecke instrumentalisiert. Zugleich stellt er die entscheidende Frage: Welche Antworten haben demokratische Kräfte auf die neuen gesellschaftlichen Stimmungen und Empfindlichkeiten?
Abschließend widmet sich das Buch dem Aufstieg Javier Mileis in Argentinien und untersucht, wie es ihm gelang, die neu entstandene emotionale Dynamik politisch zu nutzen. Daraus entwickelt Grimson grundlegende Fragen zur Zukunft Argentiniens, seiner Regierung und der extremen Rechten.