Perspektiven von Frauen in der Wissenschaft mit Dr. Marina Böddeker

21. September 2026 3 Min. Lesezeit

Eine Frau. Eine Publikation. Ein Impact.  

Für den dritten Beitrag dieser Reihe haben wir Dr. Marina Böddeker zu ihrer Publikation Praktiken der Wissenschaftskommunikation in Forschungsverbünden – Formate, Öffentlichkeiten, Nachhaltigkeit (2025) interviewt. Sie ist promovierte Linguistin und seit 2000 als freie Journalistin (Print, Hörfunk, TV, Social Media) sowie seit 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Academic Lecturer) mit den Schwerpunkten Kommunikation, Journalismus, Medien, Beratung, kompetenzorientierte Berufsorientierung und Gesundheitskommunikation an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld tätig. Von August 2020 bis Ende Dezember 2025 hat sie den Bereich der Wissenschaftskommunikation im Sonderforschungsbereich (SFB) 1288 „Praktiken des Vergleichens“ an der Universität Bielefeld verantwortet. Darüber hinaus arbeitet sie freiberuflich als Trainerin (Kommunikation, Wissenschaftsjournalismus, Sprechtraining), Moderatorin (Veranstaltungen, Tagungen) und lösungsfokussierte Beraterin sowie als Sprecherin (Vertonungen).  

Frau Böddeker, wann haben Sie gemerkt: Das ist mein Thema?

Meine Leidenschaft für Kommunikation, Wissenschaft, Medien, Beratung und Journalismus macht die Wissenschaftskommunikation zur logischen Konsequenz meiner bisherigen Tätigkeiten, Arbeitsfelder und Interessen. Hier kann ich meine Expertise optimal verbinden: die redaktionell-journalistische auf der einen und die wissenschaftliche auf der anderen Seite.

Seit 2009 lehre und forsche ich als Academic Lecturer an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, parallel dazu habe ich in der Linguistik promoviert. Meine Schwerpunkte sind Kommunikation, Medien, Journalismus, Beratung, kompetenzorientierte Berufsorientierung und Gesundheitskommunikation. Durch meine langjährige journalistische Tätigkeit in unterschiedlichen Medienbereichen bin ich mit der redaktionellen Arbeitsweise sehr vertraut.

Als Referentin für Wissenschaftskommunikation im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten geisteswissenschaftlichen Sonderforschungsbereich (SFB) 1288 „Praktiken des Vergleichens. Die Welt ordnen und verändern“ konnte ich Wissenschaft und Kommunikation gezielt zusammenführen. Ich war dort wissenschaftlich tätig und strategisch verantwortlich für die Kommunikation, den Forschungstransfer sowie die Konzeption, Umsetzung und Weiterentwicklung der Kommunikationsstrategien.

Es war also kein einzelner Moment, sondern das Ergebnis vieler Momente und Erfahrungen.

Was ist eine Erkenntnis, die Leser*innen nach der letzten Seite Ihres Buches mitnehmen sollten?

Wissenschaftskommunikation in interdisziplinären Forschungsverbünden ist nur dann wirksam und nachhaltig, wenn sie als reflexiver, ko-kreativer Aushandlungsprozess verstanden und gelebt wird: Ziele, Rollen, Ressourcen, Formate und adressierte Öffentlichkeiten werden kontextspezifisch und systematisch entwickelt, erprobt und iterativ überprüft. Dazu gehört auch, implizite Annahmen über Formate, Öffentlichkeiten, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit offenzulegen, zu reflektieren und kritisch zu prüfen – einschließlich der Frage, welche Logiken die Kommunikation prägen und nach welchen Maßstäben Erfolg definiert wird.

Genau hier setzt unser Buch an: Ausgehend von konkreten Fallbeispielen aus interdisziplinären, sowohl geisteswissenschaftlichen als auch naturwissenschaftlichen Verbünden werden Erfahrungen synthetisiert und gebündelt sowie Spannungsfelder und blinde Flecken identifiziert und benannt. Dieser Einblick lohnt sich, denn er ermöglicht eine Reflexion der wissenschaftskommunikativen Praxis interdisziplinärer Forschungsverbünde.

Die zentrale Erkenntnis für Leser*innen zusammengefasst: Gelungene Wissenschaftskommunikation entsteht nicht nebenbei, sondern durch gemeinsame Klärung, systematischen Aufbau, kritische Selbstprüfung, andauernde Reflexion und lernende Praxis. Gerade dadurch gewinnt sie Relevanz und Wirkung, auch über den Verbund hinaus.

Wenn Ihr Impact ein Satz wäre – wie würde er lauten?

Wissenschaft entfaltet ihre Wirkung, wenn ihre Inhalte so kommuniziert werden, dass sie verständlich sind, gesellschaftlich relevant eingeordnet, kritisch reflektiert und transparent vermittelt sowie zielgruppengerecht in Sprache, Kanal und Format aufbereitet werden und Anschluss an bestehende Diskurse ermöglichen, das heißt konkret: Komplexität muss – ohne Verluste und fachlich korrekt – in klare Kernbotschaften überführt und der Prozess transparent gemacht werden, Nutzen und Grenzen müssen benannt, Annahmen offengelegt, Erwartungen der Adressat*innen ernstgenommen, Dialog und Rückkopplung ermöglicht und die eigene Kommunikation muss systematisch ausgewertet werden, um sie wirksamer zu gestalten.